Energie sparen

Vorlauftemperatur einstellen: weniger Verbrauch, gleiche Wärme

Die meisten Heizungen laufen ab Werk zu heiß. Jedes Grad weniger Vorlauf spart rund ein Prozent Energie, ohne dass es in der Wohnung kälter wird.

Kurz gefasst: Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Wassers, das der Kessel in die Heizkörper schickt. Geregelt wird sie über die Heizkurve am Bedienteil, wobei die Steilheit bestimmt, wie stark der Vorlauf bei Kälte ansteigt, und das Niveau die ganze Kurve parallel verschiebt. Senke die Steilheit in Schritten von 0,1 oder das Niveau um 3 Grad und warte danach zwei kalte Tage ab. Wird jeder Raum bei voll geöffneten Thermostaten noch warm genug, senkst du erneut.

Ersparnis

Etwa 1 Prozent Heizenergie je Grad weniger Vorlauftemperatur.

Aufwand

5 Minuten je Änderung, dazu zwei kalte Tage Beobachtung.

Kosten

Keine. Alles läuft über das Bedienteil der vorhandenen Regelung.

Was die Vorlauftemperatur ist und warum sie den Verbrauch bestimmt

Der Kessel erhitzt Wasser und schickt es in den Kreislauf. Diese Temperatur beim Verlassen des Kessels ist der Vorlauf. Was zurückkommt, ist der Rücklauf, und die Differenz zwischen beiden ist die Wärme, die im Haus geblieben ist.

Je heißer der Vorlauf, desto größer die Verluste. Heiße Rohre geben unterwegs mehr an Keller und Schächte ab, und bei Brennwertgeräten fällt der entscheidende Effekt weg: Sie gewinnen Energie zurück, indem sie den Wasserdampf im Abgas kondensieren. Das funktioniert erst, wenn der Rücklauf unter etwa 55 Grad liegt. Viele Anlagen laufen mit 70 Grad Vorlauf und nutzen ihre eigene Technik deshalb nie.

Die Thermostate an den Heizkörpern regeln nur die Menge, nicht die Temperatur. Ist der Vorlauf zu hoch, wird ein Raum schnell heiß, das Ventil schließt, der Raum kühlt ab, das Ventil öffnet. Dieses Takten ist unangenehm und teuer. Ein niedrigerer Vorlauf über längere Zeit fühlt sich gleichmäßiger an.

Heizkurve verstehen: Steilheit und Niveau

Fast jede Anlage regelt witterungsgeführt, also nach der Außentemperatur. Die Heizkurve legt fest, welcher Vorlauf bei welcher Außentemperatur gefahren wird. Zwei Werte formen sie.

  • Steilheit oder Neigung. Sie entscheidet, wie stark der Vorlauf steigt, wenn es draußen kälter wird. Typische Werte liegen zwischen 0,4 und 1,4. Ist die Steilheit zu hoch, wird es nur bei Frost zu warm, im Herbst passt es.
  • Niveau oder Parallelverschiebung. Sie hebt oder senkt die gesamte Kurve gleichmäßig. Ist es das ganze Jahr über gleichmäßig zu kalt oder zu warm, korrigierst du hier.

Daraus ergibt sich eine einfache Diagnose. Zu kalt nur bei Frost bedeutet: Steilheit erhöhen. Immer gleichmäßig zu kalt bedeutet: Niveau anheben. Beim Sparen gehst du denselben Weg rückwärts.

Startwerte je Heizkörpertyp

Welcher Vorlauf reicht, hängt von der Fläche ab, über die die Wärme abgegeben wird. Große Flächen brauchen niedrigere Temperaturen. Die folgenden Werte gelten für den kältesten Tag des Jahres, an milderen Tagen liegt der Vorlauf deutlich darunter.

HeizflächeVorlauf bei FrostSteilheit als StartwertHinweis
alte Gussradiatoren60 bis 70 Grad1,2 bis 1,4träge, reagiert langsam auf Änderungen
Flachheizkörper, saniert50 bis 60 Grad0,9 bis 1,2häufigster Fall im Bestand
Flachheizkörper, groß dimensioniert45 bis 50 Grad0,7 bis 0,9oft nach einer Dämmung möglich
Fußbodenheizung30 bis 38 Grad0,3 bis 0,5nie über 40 Grad im Estrich

Nimm den Wert deiner Zeile als Ziel, nicht als Startpunkt. Beginne bei dem, was aktuell eingestellt ist, und arbeite dich schrittweise dorthin. Der aktuelle Vorlauf steht im Display der Regelung, oft als Istwert neben der Außentemperatur.

Schrittweise absenken: die sechs Schritte

  1. Ausgangswerte notieren. Steilheit, Niveau, Warmwassertemperatur und Nachtabsenkung mit Datum aufschreiben oder abfotografieren.
  2. Thermostate voll aufdrehen. In allen Räumen, die warm werden sollen, auf Stufe 5. Nur so misst du die Regelung und nicht die Ventile.
  3. Steilheit um 0,1 senken oder das Niveau um 3 Grad. Immer nur einen der beiden Werte je Durchgang ändern.
  4. Zwei kalte Tage abwarten. Ein Gebäude reagiert träge. Wer nach zwei Stunden urteilt, misst nur die Speichermasse der Wände.
  5. Räume prüfen. Wird jeder Raum noch warm genug, senkst du erneut. Bleibt ein Raum zurück, gehst du einen halben Schritt zurück.
  6. Thermostate zurückstellen, wenn der Zielwert steht. Erst jetzt regelst du wieder raumweise nach unten.

Zur Miete: In Mehrfamilienhäusern steht die Regelung im verschlossenen Heizungsraum und gehört dem Vermieter. Du darfst dort nichts verstellen. Sprich die Hausverwaltung an, wenn deine Heizkörper dauerhaft glühend heiß werden. Eine zu hoch eingestellte Zentralanlage verteuert die Nebenkosten für alle Parteien.

Warum der hydraulische Abgleich dazugehört

Beim Absenken zeigt sich schnell, ob das Wasser im Haus gleichmäßig verteilt ist. Wird der Raum neben dem Kessel noch heiß, während das Zimmer am Ende des Strangs auskühlt, fehlt der hydraulische Abgleich. Dann musst du den Vorlauf hoch halten, nur damit der letzte Heizkörper mitkommt.

Beim Abgleich stellt ein Fachbetrieb an jedem Ventil den Durchfluss so ein, dass jeder Heizkörper genau die berechnete Wassermenge bekommt. Danach lässt sich der Vorlauf oft um weitere fünf bis zehn Grad senken. Die Kosten liegen 2026 je nach Größe des Hauses meist bei 500 bis 1.200 Euro.

Grundvoraussetzung ist außerdem eine luftfreie Anlage. Ein Heizkörper mit Luftpolster wird nie warm, egal wie hoch der Vorlauf steht. Wie du das selbst behebst, steht im Ratgeber Heizkörper entlüften.

Alles, was über das Bedienteil hinausgeht, bleibt beim Fachbetrieb. Arbeiten an Gasleitung, Brenner, Abgasführung und Ausdehnungsgefäß darf nur eine zugelassene Fachkraft ausführen. Riecht es nach Gas, drehst du den Haupthahn zu, öffnest die Fenster, betätigst keinen Schalter und rufst von draußen den Notdienst.

Warmwasser separat regeln

Die Warmwassertemperatur hat mit der Heizkurve nichts zu tun und wird getrennt eingestellt. Senke sie nicht mit ab. In Speichern kann sich bei zu niedriger Temperatur die Legionellenbildung begünstigen.

Als Orientierung gilt: Der Speicher wird auf mindestens 60 Grad am Austritt gefahren, und die Zirkulation soll nirgends unter 55 Grad fallen. Bei Durchlauferhitzern und Frischwasserstationen ohne stehendes Wasser sind niedrigere Werte weniger kritisch. Im Zweifel fragst du deinen Heizungsbauer, welches System bei dir verbaut ist.

Der Kessel muss deshalb zeitweise heißer laufen, als die Heizkurve verlangt. Das ist normal und kein Grund, die Kurve anzuheben.

Wärmepumpe: hier liegt der größte Hebel

Bei einer Wärmepumpe entscheidet die Vorlauftemperatur direkt über die Effizienz. Je kleiner der Abstand zwischen Wärmequelle und Vorlauf, desto weniger Strom braucht der Verdichter. Als Faustwert steigt die Arbeitszahl um zwei bis drei Prozent je Grad, das ist deutlich mehr als bei einem Gaskessel.

Deshalb lohnt sich hier jede Maßnahme, die niedrige Temperaturen ermöglicht: größere Heizkörper in den kritischen Räumen, Fußbodenheizung, hydraulischer Abgleich, gedämmte Fassade. Ziel sind 35 Grad Vorlauf bei Frost, spätestens bei 55 Grad wird der Betrieb teuer.

Eine Nachtabsenkung bringt bei Wärmepumpen wenig bis nichts, weil das Aufheizen am Morgen einen höheren Vorlauf erzwingt. Lass sie aus und fahre lieber durchgehend niedrig. Wie du den restlichen Verbrauch im Haushalt senkst, steht im Ratgeber Strom sparen im Haushalt.

Wie finde ich meine aktuelle Vorlauftemperatur?

Im Display der Regelung als Istwert, oft neben der Außentemperatur. Ohne Display hilft ein Anlegethermometer am Vorlaufrohr direkt hinter dem Kessel, gemessen im laufenden Heizbetrieb.

Wie viel spare ich je Grad?

Bei Gas und Öl etwa ein Prozent Heizenergie je Grad. Bei einer Wärmepumpe zwei bis drei Prozent Strom, weil der Verdichter mit kleinerem Temperaturhub deutlich effizienter arbeitet.

Kann ich die Vorlauftemperatur zu weit senken?

Ja. Wenn Räume nicht mehr warm werden oder Wände dauerhaft auskühlen, steigt das Schimmelrisiko. Notiere deine Ausgangswerte, dann kommst du jederzeit auf den alten Stand zurück.

Lohnt sich die Nachtabsenkung noch?

Bei Gas- und Ölkesseln in schlecht gedämmten Häusern ja, mit drei bis fünf Grad Absenkung. Bei Wärmepumpen und Fußbodenheizungen bringt sie kaum etwas und kann den Verbrauch erhöhen.

Darf ich als Mieter die Heizkurve ändern?

Nur bei einer Etagenheizung in der eigenen Wohnung, und auch dort nur an der Regelung, nicht an Gasteilen. Eine Zentralanlage im Keller bleibt Sache des Vermieters.

Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Angaben ohne Gewähr.

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